Als ich vor etlichen Jahren mit der Produktion von Musik begann, stellte sich sehr schnell die Frage, wie ich denn das Geschaffene als mein Eigentum kennzeichnen kann, das mir keiner wegnehmen kann. Meine größte Sorge dabei war, dass irgend jemand behauptet, es wäre sein und nicht mein Werk – monetäre Gesichtspunkte spielten dabei keine Rolle, da ich mit meinem Hobby kein Geld verdienen wollte. Als ich dann das Urheberrecht erstmals las, war ich sehr beruhigt, dass ich nicht etwa meine Urheberschaft irgendwo anmelden mußte, sondern dass sie bereits durch die Schaffung eines Werkes von vornherein da ist. Deswegen halte ich das Urheberrecht grundsätzlich für eine notwendige und richtige Einrichtung.
Mein Ziel war immer eine starke Verbreitung der klassischen Musik, die ich produziere. Deswegen legte ich Wert auf eine einfache
Bedienerführung und schnelle Erreichbarkeit meiner Seite und der enthaltenen Musik. Diese Strategie trug nach einigen Jahren Früchte: Die Seite wurde bekannt im Netz und die Musik wurde häufig heruntergeladen und in etlichen Projekten benutzt. Damit hatte ich allerdings bald mit zwei Problemen zu tun: Die Stücke wurde auf anderen Seiten verwendet, ohne dass ich die Zustimmung dazu erteilte und es erreichten mich häufig Anfragen nach den Lizenzbedingungen für eine Nutzung. Das erste war mir nicht recht und das zweite machte mir Arbeit – in den meisten Fällen gab ich eine Standard Antwort.
Ich überlegte, wie ich das Ganze so gestalten könnte, dass einerseits meine Interesse an meiner Namensnennung – was für mich tatsächlich das Wichtigste war – gewahrt bleibt und dass ich andererseits keinen Aufwand mehr damit hatte. Bei dieser Recherche stieß ich dann auf die Creative Common Lizenzen, bei denen ich auf den ersten Blick aber den Eindruck hatte, dass sie mir zu viel wegnehmen. Bei näherem Hinsehen sah ich aber, dass es differenzierte Modelle gab und das ich das, worauf ich Wert legte, absichern konnte. Der große Vorteil war, dass es hier vorgefertigte Lizenzverträge in allen wichtigen Sprachen gab, auf die man lediglich verweisen mußte. Außerdem wurde mir klar, dass der Verbreitungsgrad dadurch erheblich größer wurde: Viele, denen eine Lizenzanfrage zu aufwendig ist, würden das Stück entsprechend der Lizenz verwenden. Außerdem hatte ich noch eine weitere Verwendung im Auge – nämlich Wikimedia. Für die Bereitstellung von Inhalten verlangt Wikipedia eine freie Lizenz. Schwierigkeiten bereitete mir aber zunächst die Forderung, dass auch der kommerziellen Verwendung zugestimmt werden muß. Ich denke, das ist ein Punkt, der vielen Schwierigkeiten macht. Wenn man im Netz nach cc-Lizenzen sucht, findet man häufig den Ausschluß von kommerzieller Nutzung. Mit einer solchen Zustimmung beraubt man sich selber der Möglichkeit, mit dieser Musik in größerem Maße Geld zu verdienen und das macht die Entscheidung schwierig. Zwar hatte ich das weder beabsichtigt oder erwartet, aber es ist schon ein Unterschied, ob man noch theoretisch die Möglichkeit hat oder nicht. Nach einigen inneren Kämpfen entschied ich mich aber dann doch, ab April 2007 alle Stücke unter eine cc-Lizenz zu stellen, die auch kommerzielle Nutzung zuläßt.
Ich habe diese Entscheidung bisher nie bereut, da ich nur Vorteile hatte. Ich bin damit auch in Projekte reingekommen, die ich sonst nicht erreicht hätte. Einige Lizenzanfragen kommen zwar immer noch, aber sie sind schnell mit einem Link beantwortet. Ich kann aber auch gut verstehen, dass jemand eine solche Lizenz nicht möchte, da er z.B. von seinen Werken leben muss.
Freie Lizenzen sind ein guter Weg, die grandiosen Möglichkeiten des Internet zur Verbreitung von Wissen und Kunst auch auszuschöpfen. Insbesondere können damit auch Teile der Weltbevölkerung erreicht werden, denen der kommerzielle Kulturbetrieb nicht zugänglich ist.
Folgende Projekte unterstützen diese Idee meiner Meinung nach hervorragend:
Wikipedia,
Creative Commons – mein Erstkontakt zu dem Thema freier Lizenzen
Musikpiraten – ein eingetragener Verein, der sich die Förderung freier Kultur mit Schwerpunkt Musik zum Ziel gesetzt hat
Tags: Creative Commons, Internet, Lizenz, Musik