Die Freiheit der Zeit

Seit ich am 31.10.2009 aus der Firma ausgeschieden bin, hat sich mein Leben in einem Punkt grundlegend geändert: Ich kann über meine Zeit frei verfügen. Dies ist ein gewaltiger Sprung in der Qualität des Lebens. Ich hatte keine Probleme mit der Arbeit, aber ich war jeden Tag inklusive der Fahrzeiten ca. 12 Stunden von zu Hause weg, um das notwendige Geld zum Leben zu erarbeiten. Da blieben abends höchstens noch 4 Stunden, um etwas Kreatives oder Entspannendes zu machen. Das ist nach meinem Empfinden zu wenig, aber war eine Notwendigkeit, um den Familienunterhalt zu sichern. Ich hätte es richtig gefunden, etwa 8 Stunden für mich zu haben (ohne Schlafen) – dazu hätte ich aber nicht mehr als 8 Stunden incl. Fahrzeiten pro Tag arbeiten dürfen. Von dieser Idealvorstellung war ich, wie die meisten wohl auch, weit entfernt.

Was fange ich mit meiner Zeit an? Ich achte darauf, dass ich jeden Tag etwas tue, das mich kreativ, geistig oder körperlich fordert. Das ist einmal die Erzeugung von Musikdateien mit Hilfe meines Digitalpianos und MIDI Sequenzers, was täglich eine Stunde in Anspruch nimmt. Das ist weiterhin das Anhören klassischer Musik und Organisieren dieser Musik inklusive meiner CDs in einer Datenbank. Wenn ich in der Stadt oder in der Landschaft unterwegs bin, habe ich immer einen Fotoapparat dabei und benutze ihn fast bei jedem Ausflug. Die Nachbearbeitung der Fotos nimmt ebenfalls etliche Zeit in Anspruch, selbst wenn man nur leichte Korrekturen vornimmt. An meiner Webseite gibt es fast auch immer etwas zu verbessern oder weiter zu entwickeln, insbesondere an den Datenbanken, den php Skripten oder den XML Dateien. Damit ich körperlich fit bleibe, mache ich pro Woche mindestens 3 Stunden Kreislauftraining auf dem Ergometer oder Fahrrad, in den Wintermonaten ist es allerdings etwas weniger. Ich denke, dass ich pro Tag 4-6 Stunden mit Tätigkeiten verbringe, die mich in irgendeiner Weise fordern. Wenn ich das nicht tue, fühle ich mich schlecht und minderwertig. Man sieht, ich bin ein strukturierter Mensch. Den Rest des Tages verbringe ich mit lebenserhaltenden Maßnahmen (Essen, Schlafen), notwendigen Übeln (Unterstützung im Haushalt, Einkaufen, Finanzen verwalten) und echter Freizeit. Ich gestehe gerne, dass ich einige Zeit am PC oder (inklusives „oder“) Fernseher verbringe. Ich surfe sehr viel im Internet – wenn ich einige Jahrzehnte jünger wäre, würde man mein Treiben möglicherweise unter therapeutischen Aspekten beobachten. In meinem Alter ist mein Verhalten aber unauffällig – tatsächlich ist es ja auch kein Problem 🙂

Es kann sehr wohl sein, dass ich nochmal einige Zeit eine Tätigkeit aufnehme, um meinen finanziellen Spielraum zu erhöhen. Dann wäre dieser jetzige Zustand wieder unterbrochen und ich würde für einen begrenzten Zeitraum andere Akzente setzen. Tatsächlich ist aber die Freiheit der Zeit ein Gut, das nur schwer durch etwas anderes zu ersetzen ist.

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